Matthias Zechner. Mount Elbrus, ein Erlebnisbericht mit vielen Infos Печать
24.02.2009 13:33
Am Samstag dem 14. Mai 2007 sind wir von München aus aufgebrochen um den Mount Elbrus zu besteigen. Für all jene die interessiert sind und Informationen über den Mount Elbrus und dessen Besteigung suchen gibt es auf den folgenden Seiten nützliche Infos zur Organisation und einen Erlebnisbericht unseres Trips.

Geographie und Topologie:

Der Elbrus erhebt sich als vulkanisches Massiv an der Nordseite des Kaukasus- Hauptkammes, er ist mit diesem durch einen 10 km langen Bergrücken, seinen westlichen Ausläufern, verbunden. Als gewaltiger Eisriese steigt der Elbrus über die umliegenden Schluchten und Gebirgsketten empor, und er wird an Höhe von keinem anderen Gipfel des Kaukasus übertroffen. Die wichtigsten Gipfel des Massivs sind der Westgipfel 5642m und der Ostgipfel 5621m des Elbrus.

Als Kaukasus bezeichnet man das Gebirgssystem, das sich über 1000km zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer von Nordwesten nach Südosten erstreckt. Es bildet die willkürliche geographische Grenze zwischen Europa und Asien. (die anderen wichtigen Grenzlinien zwischen Europa und Asien sind der Bosporus in der Türkei und der Ural im Osten).

Der Hauptkamm bildet auch die Grenze zwischen Russland und Georgien. Die von Gletschern bedeckte Fläche am Elbrus ist enorm - sie beträgt über 150 Quadratkilometer. Sechs der sieben Fünftausender des Kaukasus liegen in der Kabardino-Balkarischen Republik (unter anderen Elbrus, Schchara, Dych-Tau, Koschtan-Tau).

Das offizielle Datum der Erstbesteigung des Elbrus ist der 10. Juli 1829, als der Kaukasier Killar Chaschirov als einheimischer Führer für eine Russische Expedition als einziges Expeditionsmitglied den Gipfel erreichte. Der erste Ausländer, der den Elbrus bestieg, war
der Engländer Douglas Freshfield, der den Ostgipfel zusammen mit seinem balkarischen
Führer Achia Sottaev im Jahr 1868 erreichte.

Erlebnisbericht:

Tag 1: Anreise

Von der Steiermark geht´s mit dem Auto nach München zum Flughafen. Unser Flug München – Moskau startet um 07:00 Uhr. Erste Probleme gibt es schon beim Einchecken. Die Lufthansa akzeptiert unsere Skisäcke nur als Sperrgepäck, was natürlich extra kostet. Na ja, jedenfalls hebt die Maschine pünktlich ab und wir sind voller Erwartungen Richtung Moskau unterwegs.

Ankunft am Flughafen Scheremetjewo 2 in Moskau! Erster Eindruck: Alles sehr russisch in Russland: Die Flughafenarbeiter schupfen einen einmal gleich kräftig auf die Seite wenn man im Weg rumsteht, Information in Englisch eher dürftig bis nicht vorhanden. Transport zum Inlandsterminal Scheremetjewo 1 in einem Bus aus den 70er Jahren, dessen  Bestimmungsort, dank eines Exilrussen aus den USA bestimmt wurde, der zufällig auch zu einem Inlandsflug musste...

Nach weiteren zwei Stunden Flug in einer russischen Tupolew (Baujahr in etwa wie oben genannter Bus) landen wir schließlich in Mineralnye Vody. Im Ankunftsterminal das einer alten Industriehalle gleicht, wartet auch schon unser Guide. Er heißt Jonny und spricht Gott sei Dank sehr gut Englisch. In einem ganz passablen Bus geht es weiter nach Azau. Dort erreichen wir nach einer vierstündigen Fahrt um Mitternacht unser Hotel auf 2400m eehöhe.

Tag 2: Cheget

Ohne Stress starten wir eine leichte Skitour auf den ca. 3461m hohen Cheget. Der Aufstieg beginnt mit einer Fahrt im altersschwachen Sessellift. Mit Quitschen und Knarren aber ohne Absturz erreichen wir die Bergstation und stapfen mit den Skiern weiter Richtung Gipfel. Da wir uns in der Nähe der Grenze zu Georgien befinden gibt es mitten im Aufstieg eine Passkontrolle durch zwei Soldaten. Die waren zwar leicht verärgert da sie uns ohne Skier folgen mussten, aber Komplikationen gab es keine. Am Gipfel versperrt uns leider eine zähe Wolkendecke die Sicht auf unser eigentliches Ziel, die beiden Elbrusgipfel. Die folgende Abfahrt entschädigt aber für das eher mäßige Wetter. Entspannt trudeln wir am späten Nachmittag wieder in unser Hotel ein. Eine Nacht werden wir noch hier verbringen ehe wir uns am Morgen in Richtung Basislager bewegen.

Tag 3: Basislager

Nach ausgiebigen Frühstück bringt uns eine alte Seilbahn (die Türen kann man während der Fahrt öffnen- sehr praktisch für alle BASE-Jumper) zur Bergstation MIR auf 3470m. Danach geht es per Skier zum Basislager auf 3800m Seehöhe. Das Lager das von allen The Barrels genannt wird, besteht aus einer Ansammlung von Wohnbunkern die jeweils so um die sechs Personen fassen. Außerdem gibt es eine Gemeinschaftsbaracke wo ein Koch für unser leibliches Wohl sorgt. Sanitäre Anlagen gibt es keine, abgesehen von zwei Löchern im Bretterboden wo man sein Geschäft verrichten kann. Nach kurzer Rast geht’s weiter ichtung Diesel Huts. Das ist die letzte befestigte Einrichtung vor dem Gipfelmassiv. Sie liegt auf etwa
4160m Seehöhe und gleicht äußerlich einer Raumkapsel die auf einer Müllhalde gelandet ist. Mehr dazu gibt unter dem Punkt Wissenswertes.

Das letzte Ziel für heute sind die Pastuchow-Felsen. Da uns die Luft noch nicht endgültig ausgegangen ist, gehen wir noch ein Stück weiter bis auf etwa 4800m. Die dünne Luft merkt man jetzt schon recht deutlich. Die folgende 20 min Abfahrt ist anstrengender als der Aufstieg. Die tollen Firnhänge verleiten zum Freeriden ohne Pause. Das rächt sich – die Muskeln schreien nach mehr Sauerstoff kriegen aber keinen. Im Basislager angekommen geht’s daher einigen von uns (mich eingeschlossen) recht schlecht. Nach einer halben Stunde Gejammer und Geächze sind wir aber wieder halbwegs fit und futteraufnahmebereit. Zum Essen gibt hier eigentlich immer in etwa das Selbe, egal ob morgens, mittags oder abends. Immer Tee, Kondensmilch, Weisbrot, etwas Warmes (z.B. Borsch – eine Art Suppe mit allem drinnen was satt macht) und ganze Berge von Süßigkeiten.

Nach einiger Zeit mit vollem Bauch ist meist ein Besuch der oben genannten Löcher im Boden erforderlich. Aber Vorsicht! Aufgrund des kräftigen Aromas dieses Areals, der schlechten Treffsicherheit so mancher Mitbewohner und dem daraus resultierenden Würgereiz empfiehlt es sich nicht unmittelbar vor oder nach dem Essen einzutreten. Woanders sollten wir aber auch nicht unser Geschäft verrichten, da der umliegende Schnee zum Kochen verwendet wird. Nur der Hüttenhund, ein ausgewachsener Husky scheint von dieser durchaus sinnvollen Regelung ausgenommen zu sein. – denk ich mir und schlürfe meine Suppe aus Frisch geschmolzenem Schneewasser.

Tag 4: Alles locker

Heute steht weitere Akklimatisation und chillen, sprich Kräfte sparen auf dem Programm.  Nachdem des Wetter für morgen beste Bedingungen verspricht, werden wir den Gipfelsturm gleich am ersten möglichen Tag versuchen. Deshalb wandern wir heute nur kurz zu der Dieselhut, lassen uns von Jonny ein wenig über die ausgebrannte Prijut 11 (siehe unten) erzählen und fahren dann wieder zum Basislager ab. Den restlichen Nachmittag dösen wir so vor uns hin. Drei von uns sind noch motiviert und fahren zur Seilbahn ab um dort ein frisches Bier zu konsumieren. Beim Abendessen heißt es noch mal so viel wie möglich reinstopfen und alle Kohlenhydratspeicher auffüllen. Morgen erwarteten uns etwa 10 Stunden Aufstieg und Stunden Abstieg.

Tag 5: Gipfel (ohne Sturm)

Ich glaube ich bin erst vor einer halben Stunde eingeschlafen, da weckt uns ein Handy. 02:00 Uhr es ist soweit – heute wollen wir es wissen. Verschlafen trotten wir aus unserem Bunker Richtung Frühstück. Es ist sternenklar, windstill und gar nicht kalt – das verspricht einiges. Beim Frühstück muss ich mich zu einigen Bissen zwingen, vielmehr als eine Tasse Tee und ein paar Kekse geht um diese Zeit noch nicht hinunter. Das Wichtigste ist das wir unsere Camelbags und Thermoskannen mit heißem Wasser auffüllen können. Hektisch werden die letzten Vorbereitungen getroffen, Skischuhe und Steigeisen angelegt. Draußen wartet schon ein Ratrack auf uns. Er wird uns bis auf ca. 4400 m hieven. Dieser japanische Touristen Service kostet ca. 200 Euro extra, ist nicht sehr alpinistisch, spart uns aber etwa drei Stunden Zeit. Wo der Ratrack umdreht lassen wir auch unsere Skier zurück.

Der weitere Aufstieg ist zu diesem Zeitpunkt nur mit Steigeisen möglich. Immer wieder blicke
ich zum Himmel. Die Sterne leuchten hier oben so hell, dass auch ohne Mond alle Umrisse der umliegenden Berge erkennbar sind. Ich habe nur Fingerhandschuhe mit, aber - Gott sei Dank, es ist nicht sehr kalt. Als wir die Pastuchow Felsen passieren geht sie Sonne langsam auf und taucht die Bergwelt in ein pastellfarbenes Licht. Viel Zeit zum Genießen bleibt nicht, ein größeres Eisfeld liegt vor uns. Ab hier gehen wir bis zum Ende des Abschnitts am Seil.

Mit jedem Höhenmeter steigt auch die Anstrengung. Ich bekomme recht starke Kopfschmerzen und nehme vorsichtshalber eine Profentablette. Nach einer halben Stunde geht es wieder besser und das Eisfeld liegt auch hinter uns. Wir haben die 5000m Marke überschritten. Neuer Rekord für mich – kurze Euphorie und weiter geht’s links über eine Traverse in Richtung Sedlowina - Sattel. Diese Passage nimmt kein Ende. Mehr als Schneckentempo ist nicht mehr drinnen. Dabei schnaufe ich wie eine alte Dampflok und mein Puls ist permanent jenseits der 150. Zeitweilen schlafen mir die Finger ein – ein typisches Symptom für die Höhenkrankheit. Trotz allem bin ich gut aufgelegt und muss immer wieder über mich selbst und unsere Truppe lachen, die wie ein Leichenzug nach oben trottet. Einige von uns finden´s nicht so witzig und beschließen umzukehren, weshalb wir schließlich nur noch zu sechst sind.

Am Sattel gibt es eine längere Pause. Dort befindet sich auch eine große Gletscherspalte, wo man bei Schlechtwetter Schutz findet. Haben wir aber nicht, also sonnen wir uns lieber im Freien und schmieren uns zum x-ten mal das Gesicht mit Sunblocker zu.

Laut unserem Guide Jonny ist´s jetzt nur noch eine Stunde bis zum Gipfel. Bei näherer Betrachtung der gewaltigen Flanke die vor uns liegt wollen wir das nicht so recht glauben. Jonny verschwindet in der Gletscherspalte und taucht kurze Zeit wieder auf. Aber nicht alleine. In der Spalte war irgend so ein Einheimischer, der offenbar schon vor uns aufgebrochen war und in der Spalte hockte Er hat Ähnlichkeit mit einem Waldschrat. Mit breitem Grinsen im Gesicht hüpft er jetzt vor uns herum und begutachtet interessiert unsere Ausrüstung. Vielleicht eine kaukasische Abart des Yeti, ohne Fell? Jedenfalls springt der hier oben herum wie unser einer 4000m weiter unten und zwei drei Augenblicke später ist er auch schon Richtung Gipfel unterwegs. Wir lassen unsere Rucksäcke zurück und folgen ihm. Das Tempo schaffen wir zwar nicht aber nach etwa einer Stunde ist der Gipfel wirklich in  Sichtweite. Am liebsten würd ich drauf zulaufen aber mein Körper weißt mich schnell in die Schranken. Stefan kann noch mehr Motivation aufbringen, überholt uns alle und steht als  erster am Gipfel. Doch gleich werde ich es auch geschafft haben. Auf den letzten Metern fühlt man weder Schmerzen noch Erschöpfung.

Für einige Minuten genieße ich den Gipfelrausch. Ein Gefühlsmix aus Endorphinen und Sauerstoffmangel durchströmt meinen Körper – Herrlich!! Wir gratulieren uns gegenseitig, knipsen Fotos in allen möglichen Konstellationen und genießen die tolle Aussicht (man sieht bis zum schwarzen Meer). Auch unser Yeti ist da und hüpft wie ein Rumpelstilzchen herum. Wir haben wirklich absolutes Glück mit dem Wetter. Fernsicht in allen Richtungen soweit das Auge reicht.

Am Beginn des Abstieges treffen wir bereits auf die nächste Gruppe, die unterwegs nach oben ist. Ein Haufen Schweizer denen die Freude des nahen Gipfels schon ins Gesicht geschrieben steht. Für uns jedoch zählt nur noch eines - so schnell wie möglich runter vom Berg und relaxen. Die Gletscherspalte wo unsere Rucksäcke liegen erreichen wir wirklich sehr schnell, auf der Traverse wird es aber für diese Höhen extrem warm und am Eisfeld taut es sogar. Zeitweilen sehe ich Fata Morganas – ist es der Waldschrat? Die Kraft der  onneneinstrahlung in dieser Höhe schlägt sich auf unsere Lippen - aufgebrannt. Zu allem Überdruss geht uns auch noch das Trinkwasser aus - egal, mit jedem Schritt nach unten fühlt man förmlich wie die Luft fetter wird. Entlang der Pastuchow Felsen rutschen wir am Hintern runter und die letzten Meter zu den Skiern laufen wir. Anschnallen und los geht´s. Trotz der 13 Stunden Tortour die hinter uns liegt fahren wir ganz passabel talwärts. Als die Barrels in Sichtweite kommen machen wir noch eine kurze Pause und surfen dann in sauberer Freeridermanier Richtung Basiscamp. Könnte ja sein das uns wer sieht, da ist ein wenig Air&Style schon angebracht. Geschafft – der Rest vom Tag wird an den Nagel gehängt.

Tag 6: Relaxen

Lange ausschlafen? Nix da, wir müssen um 5 Uhr aus den Federn und unser Zeug zur Gondel schleifen. Die Fährt nur bis 8 Uhr, dann gibt es einen prognostizierten Stromausfall in der ganzen Region und keiner weiß genau wann der vorbei ist. Nach einer pickelharten Abfahrt bis zur Mittelstation erreichen wir schließlich unser Hotel in Azau.

Nach einer heißen Dusche dösen wir bis zum Mittagessen. Am Nachmittag gibt’s die Möglichkeit auf Pferden die Gegend zu erkunden – machen wir auch. Ist ganz lustig aber im Gegensatz zu uns sind die Gäule nicht sehr motiviert und kaum zu bewegen. Eine gute alte KTM wär mir da schon lieber gewesen.

Beim Abendessen erhalten wir von Jonny oder besser gesagt vom Reiseveranstalter, TShirts und Urkunden zu Ehren unserer Leistungen. Mehr Freude bereitet uns jedoch die Tatsache,  dass der echte russische Vodka, der auf den Tischen steht, kostenlos ist. So schaffen wir es binnen kürzester Zeit fünf Flaschen zu leeren und stellen so ein weiters mal neben  staunenden deutschen Tischnachbarn, unsere österreichische Trinkfestigkeit unter Beweiß. Danach schläft man bekanntlich gut….

Tag 7: Do what you want

Im Falle von Schlechtwetter wäre heute der letzte mögliche Gipfeltag gewesen. Da wir das aber schon erledigt haben, bleibt Zeit zur freien Gestaltung. Ein Teil unserer Gruppe schnallt sich noch mal die Schi an. Thomas, Chrisi, Klaus und ich haben aber erstmal genug vom  Schnee und wandern auf eine nahe gelegene Alm mit Blick auf den Elbrus Ostgipfel. Nach ein zwei Bier am Abend legen wir uns ein letztes mal hier oben in die Hapfn. Morgen  geht es schon wieder Richtung Flughafen.

Tag 8: Rückreise

Um 13:00 Uhr geht unser Flugzeug nach Moskau, deshalb starten wir schon bei Sonnenaufgang. Hubert, Raimund, Erik und Georg werden leider schon heute zurück nach München fliegen. Stefan, Thomas, Chrisi, Klaus und ich werden noch ein paar Tage in Moskau bleiben und uns heute erstmal ins Nachtleben stürzen.

Die Rückreise nach Moskau läuft im Gegensatz zur Anreise entspannt ab. Der schwindlige Flughafen in Mineralnye Vody, die stetige Polizeipräsenz unsere altersschwache Tupolew, alles kommt mir schon vertraut vor. Stefan, Thomas und ich können sogar bei Christl übernachten. Sie arbeitet schon seit zwei Jahren bei der österreichischen Botschaft in  Moskau und hat uns sogar ein Taxi zum Flughafen geschickt. Mit der Schwelle zu ihrer Wohnung betreten wir sozusagen österr. Hochheitsgebiet. Fazit: Russland ist immer eine Reise wert!

Organisation:

Wir reisten als neunköpfige Gruppe an und haben die Reise z.T. selbst organisiert (d.h. Stefan hat alles gemacht) und z. T. beim Reisetourenveranstalter Pilgrim-Tours (www.pilgrim-tours.com) gebucht.

Was man braucht:

Touristenvisum für Russland, beantragt werden kann das bei der russischen
Botschaft im jeweiligen Heimatland Wien: vienna.rusembassy.org
Salzburg: salzburg.rusembassy.org
Die Ausstellung des Visums dauert etwa 3 Wochen kostet etwa 60 Euro und kann auch über dem Postweg erfolgen. Notwendige Unterlagen sind :
1. Ein Original-Reisepass (keine Passkopien, da das Visum in den Pass eingeklebt wird). Reisepass soll mindestens 3 Monate über das Ende der Reise hinaus gültig
sein und mindestens zwei freie Seiten beinhalten.
2. Ein in Blockschrift oder mit Schreibmaschine ausgefüllter und persönlich unterschriebener Visumantrag. Alle Fragen des Visumantrages müssen richtig und vollständig beantwortet sein.
3. Ein am Visumantrag festgeklebtes Passbild (keine Ablichtungen), Format 3x4 cm. Fotos im Profil sowie Fotos, die den Antragsteller mit Sonnenbrille oder getönter Brille zeigen, sind zu vermeiden.
4. Den Nachweis einer Reisekrankenversicherung von einem in Russland anerkannten österreichischen Versicherungsunternehmen.
4.1 Als Nachweis der Reisekrankenversicherung werden folgende Unterlagen anerkannt:
- Ausgefülltes Formular der Versicherungskarte
- Kopie der Versicherungspolice.
Für Touristen (auch Individualreisende) ist zusätzlich zu den im Punkt 2 erwähnten Unterlagen eine förmliche Reisebestätigung des russischen
Reiseveranstalters (Visa-support ) mit Referenznummer erforderlich.
5. Weiterhin muss ebenfalls ein Voucher des österreichischen bzw. deutschen Reisebüros oder des russischen Reiseveranstalters vorgelegt werden. Fehlt eine dieser Unterlagen, kann kein Visum ausgestellt werden!
Das kann man sich natürlich alles alleine organisieren, nervensparender geht es aber über einen russischen Tourenveranstalter.

Was man wissen sollte:

Beste Reisezeit zur Besteigung des Elbrus ist von Mai bis September.
Mindestens eine Woche ist für die Reise einzuplanen, um sich gut zu akklimatisieren (siehe unten) sind zwei Wochen besser;
Bei den Flügen lohnt es sich zu suchen. Immer wieder gibt es auch Billigfluglinien nach Moskau. Direktflug nach Mineralnye Vody wird man eher keinen finden.
Flugdauer: München - Moskau etwa 2,5 Stunden, Moskau - Mineralnye Vody etwas weniger;
Fluggepäck im allg. 20 kg + Handgepäck; Skisäcke sind Sperrgepäck und kosten extra; Tipp: Skischuhe als Handgepäck mitnehmen - schafft Platz im Reisegepäck;
Reisepass und andere Papiere (Zollerklärung, Visa-support, Voucher, Flugtickets) immer bei sich tragen, da man jederzeit kontrolliert werden kann, auch während den Skitouren.
In den Städten finden sich immer Leute die Englisch sprechen, am Land eher kaum aber grundsätzlich kommt man damit durch.
1 Euro sind etwa 30-35 Rubel;
Moskau ist etwa so teuer wie Österreich; Am Land ist´s billiger;

Was es kostet (pro Person):

Visum etwa 60 Euro (Ausstellung dauert etwa drei Wochen)
Flug bis Moskau und retour z.T. unter 200 Euro
Flug Moskau – Mineralnye Vody ca. 500 Euro
Reiseveranstalter: bei uns für 8 Tage incl. Abholung und Rücktransport zum
Flughafen, Guide, Liftgebühren und voller Verpflegung ca. 800 Euro
Ratrack (Snowcat) von den Barrels bis auf ca. 4400 m ca. 200 Euro pro Ratrack;
Summe: für acht Tage etwa 1500 Euro;

Wissenswertes:

Akklimatisation:

Die einzige Möglichkeit, den menschlichen Organismus an die großen Höhen und daraus resultierenden niedrigen Luftdruck anzupassen, ist die Akklimatisation. Durch einen komplexen Anpassungsvorgang kann die mangelnde Versorgung mit Sauerstoff in großer Höhe zum Teil ausgeglichen werden. Aufgrund der unterschiedlichen Fähigkeit zum hypoxischen Atemantrieb verläuft die Anpassung bei jedem Menschen unterschiedlich. Die normalen höhentypischen Veränderungen äußern sich in:

Hyperventilation
Kurzatmigkeit
vermindertem Harnlassen
veränderter Atmung mit Atemaussetzer (Cheyne-Stokes-Atmung)
Schlafstörungen und sonderbaren Träumen
oft quälendem Kopfschmerz (Hirnödem).

Der Anpassungsprozess, der in verschiedenen Stufen abläuft, stellt einen hoch komplexen,bis heute noch nicht vollständig erforschten Prozess dar. In verschiedenen Anpassungsphasen wird zunächst durch Steigerung des Atem- und Herzminutenvolumens der gesunkene CO2-Partialdruck ausgeglichen. Dadurch bedingt, entsteht eine respiratorische Alkalose (steigende pH-Wert im Blut, die der Körper auszugleichen versucht. Mit dem alveolo-vaskulären Reflex wird der Sauerstoffaustausch von Alveolen und Lungenkapillaren verbessert. Im Blut kommt es zu einer Rechtsverschiebung der
Hämoglobin-Bindungskurve, abgeschwächt durch die respiratorische Alkalose. So steigt der Hämatokrit stark an, was die Fließeigenschaften des Blutes verschlechtert und zu einer Thrombosebildung führen kann. Der Organismus kann sich dauerhauft nur in Höhen bis 5500 Meter anpassen, darüber hinaus setzt langfristig der Abbau aller Körperfunktionen ein. Merkmale für eine erfolgreich verlaufene Akklimatisation sind:

ein auf Normalwert zurückgekehrter Ruhepuls
trainingsgemäße Ausdauerleistung
vertiefte Atmung in Ruhe und unter Belastung
vermehrtes Urinieren

Zur Region:

Die politische Situation im Kaukasus war nie stabil. Seit Jahrhunderten litten kaukasische Stämme unter Invasionen anderer Völker, wie denen der Sarmaten und Hunnen. Dadurch wurden einige der kaukasischen Völker weiter und weiter in die Bergtäler getrieben. Später versuchten die Russen immer mehr Einfluss in der Region zu erlangen und stationierten dort sogar Teile ihrer Armee. Aber im Vergleich zu den Tschetschenen, die gegen den politischen und militärischen Druck der Russen seit Jahrhunderten kämpften, war die politische Situation auf dem Gebiet der heutigen Kabardino-Balkarischen Republik immer ruhig.

Die Diplomatie der Kabardinier war auf gute Beziehungen mit Russland ausgerichtet und es waren die Kabardinier die sich als erstes kaukasisches Volk freiwillig Russland anschlossen. Als diplomatisches Zeichen gaben sie im Jahr 1561 die Tochter eines ihrer Fürsten Ivan IV. zur Frau. Auch heute ist die Politik in der Kabardino-Balkarischen Republik noch immer in der Tradition guter Beziehungen zu Russland gehalten. Selbst zur Zeit des Krieges in Tschetschenien ist es in der Kabardino Balkarischen Republik weiter ruhig.

Das Ende einer Ära Am Ende des 19. Jahrhunderts machte der berühmte russische Armee - Topograph, Andrei Pastukhov, mehrere Versuche den Gipfel zu erreichen. Die Unfähigkeit ich richtig zu akklimatisieren machte seine ersten Versuche zunichte. Die Felsen in 4960m Höhe, in deren Nähe er gezwungen war zu campieren wurden nach ihm, in Erinnerung an seine Beiträge zum Wissen über den Elbrus, benannt.

1929 erbaute man eine kleine Hütte in 4160m Höhe und nannte sie Priut 11 (die Zuflucht der 11), nach einem Zelt welches von 11 Wissenschaftlern an diesem Punkt errichtet worden war. Im folgenden Jahr erbaute man eine kleine Hütte im Sattel zwischen den beiden Gipfeln in einer Höhe von 5350m. Die Hütte wurden bald von Bergsteigern überflutet. Es begannen die goldenen Jahre der russischen Bergbesteigung. Das Unvermeidliche passierte  schließlich 1936, als eine große Gruppe von jungen und unerfahrenen Komsomol Mitgliedern den Aufstieg zum Elbrus im Winter versuchte. Im Winter weht der Wind den Puderschnee von den höher gelegenen Berghängen und hinterlässt große Regionen von freigelegtem Eis. Der Abstieg wurde bei gutem Wetter unternommen, aber einer der Teilnehmer rutschte auf dem Eis und löste eine Kettenreaktion aus. Viele der Kletterer starben an diesem Tag. Sie rutschten über die vereisten Berghänge hinunter und zerschmetterten an den Felsen von Pastukhov.

Die Pläne ein modernes Hotel zu bauen, wurden schließlich 1939 mit einem dreistöckigen, in Metal gekleideten Gebäude verwirklicht. Die Planung und Konstruktion der Hütte wurde vom Architekten und Alpinisten Nicolas Popov und seinem Assistenten Ferdinand Kropf, einem  Österreicher der sich in der Sowiet Union niedergelassen hatte und später Leiter des  Rettungsdienstes wurde, überwacht. Die Hütte konnte 120 Gäste aufnehmen, war doppelt
verglast und wetterfest an den Felsen von Pastukhova verankert. Während des 2. Weltkrieges gaben die Deutschen sich alle Mühe, in der Suche nach Kraftstoff, die Volga zu überqueren und zu den reichen Ölfeldern der Kaspischen See zu gelangen. Mitte August 1942 hatte ihre Wehrmacht sämtliche Gebiete nördlich des Balkan Tales besetzt und versuchte langsam die Bergtäler des westlichen Kaukasus einzunehmen.

Am 14. August überquerte die Alpine Division Edelweiss unter dem Kommando von Kapitän Grod den 4000m hohen Khotiutau Pass von westen her und kam unerwartet an der Priut 11 an. Die Deutschen gaben den wenigen Bewohnern zu verstehen, dass Widerstand zwecklos sei und gaben ihnen die Möglichkeit ungehindert die Hütte zu verlassen. Nach kurzer Absprache nahmen diese das Angebot an. Kurze Zeit später war die Hakenkreuzfahne auf
dem Gipfel des Elbrus zu sehen. Verworrene Geschichten berichteten von einer "heroischen" Bombardierung der Priut Hütte durch die Russen. Andere behaupten, dass eine solche Bombardierung nie stattgefunden hat, dass es nur Propaganda gewesen sei. Wie auch immer - die Deutschen wurden im Winter 1942 zurückgeschlagen und verließen Stalingrad und die Volga. Ihre Wehrmacht zog sich am 10. Jänner 1943 vom Elbrus zurück und Mitte Feber wehte die sowietische Flagge wieder auf dem Gipfel des Elbrus. Jene, die daran interessiert sind mehr über diese Zeit herauszufinden, sollten das Museum an der MIR Station besuchen. Aber Sie müssen sich beeilen! Das Dach des Museums ist undicht und die elektrische Versorgung ist abgestellt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Sammlung noch lange besteht.

Am 16. August 1998 war eine Gruppe von Bergsteigern dabei sich eine Mahlzeit in der Priut Odinatsaty, kurz Priut 11, zu kochen. Diese Berghütte, die oft das höchste Hotel in der Welt genannt wird, befindet sich auf den Berghängen des Elbrus, dem höchsten Gipfel in Europa. Obwohl hier 120 Gäste untergebracht werden können, hat diese Hütte nur eine winzige Küche mit einem Gaskocher mit vier Ringen. Aus diesem Grunde benutzten die Bergsteiger ihren eigenen Gaskocher. Dieser Gaskocher geriet außer Kontrolle und in der folgenden Panik ergriff jemand einen nahen Kanister, im Glauben er sei mit Wasser gefüllt und versuchte das Feuer zu löschen. Der Kanister enthielt jedoch Benzin und das Feuer geriet außer Kontrolle. Mehrere Bergsteiger erlitten leichte Verletzungen in dem folgenden Brand. Ein Bergsteiger erlitt ernsthafte Verletzungen, als er versuchte sich aus einem Fenster abzuseilen und abstürzte. Alles was nach 59 Jahren übrig blieb war das eiserne Skelett der Hütte.

Im Sommer 2001 wurde der erste Abschnitt zum Erbau einer neuen Hütte unterhalb der alten Priut abgeschlossen. Der Name dieser Hütte ist Diesel Hut und liegt direkt neben den ehemaligen Toiletten auf der Stelle des einstigen Benzinlagers.

© by Matthias Zechner